Zwei sehr gute und bewegende Artikel, die in den letzten Wochen zum Thema veröffentlicht wurden, möchte ich hier kurz zitieren. Zum einen
ein Kommentar, der in der FAZ (bzw. der Sonntags erscheinenden FAS) erschienen ist:
Derzeit vollendet sich offenbar ein Prozess, der schon Jahrhunderte dauert: die Ausrottung des Christentums in der islamischen Welt. Im Westen hat man durchweg vergessen, dass der hier als islamisches Kerngebiet betrachtete Raum Vorderasiens zum Teil mehr als tausend Jahre lang christlich war. Im Westen schwärmen Gebildete von den kulturellen Hochzeiten des Islams, Schüler erfahren, der Islam habe uns das Wissen der alten Griechen vermittelt - doch die Vermittler waren die Christen des Ostens, die diese Texte bewahrt und übersetzt haben, auch ins Arabische. Ihre Gelehrsamkeit half ihnen, zu überleben, freilich zumeist nur als Angehörige einer gedemütigten und ausgepressten Minderheit.
Zum anderen
ein Artikel des Rheinischen Merkur, der speziell auf die Lage der Christen im Irak eingeht:
Demokratie im Sinne von Thomas Jefferson dürfte im Irak eine Utopie sein, wenn George W. Bush im Januar 2009 von der weltpolitischen Bühne abtritt. Dagegen hat der 43.US-Präsident Aussicht auf eine historische Errungenschaft im Zweistromland, die arabische Kalifen, mongolische und osmanische Herrscher, britische Kolonialherren und Saddam Husseins Baath-Diktatur nie erreicht haben: das Aus der assyrischen Christenheit, die so alt ist wie das Christentum selbst.
[...]
Zum Alltag christlicher Familien gehört es, dass sie ins Fadenkreuz islamischer Extremisten schiitischer, sunnitischer oder kurdischer Provenienz geraten. Beispielsweise, als sunnitische Al-Kaida-Milizionäre im März 2007 das Bagdader Stadtviertel Dora übernehmen, das überwiegend von assyrischen Christen bevölkert ist, die nun von den neuen Herren zur Kasse gebeten werden: Jede christliche Familie hat 190 US-Dollar „Schutzgeld“ zu entrichten.
So viel Geld können lange nicht alle Familien aufbringen. Sie müssen daher am folgenden Freitag ein Familienmitglied zur Moschee schicken, das zum Islam überzutreten habe. Den Familien, die dies ablehnen, bleibt ein letzter Ausweg, um ihrer angedrohten Ermordung zu entgehen: nämlich ihre Häuser innerhalb von 24 Stunden auf immer zu verlassen, ohne irgendetwas mitzunehmen, da „ihr Besitz Eigentum der Moschee“ sei. Proteste der Patriarchen der chaldäischen, assyrischen und altassyrischen Kirchen sowie andere Initiativen, um die irakische Regierung und die amerikanischen Streitkräfte zur Intervention im Dora-Viertel zu bewegen, werden ignoriert.
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