[Zweitverwertung meines gleichnamigen Beitrags im Blog auf der Website von Mosaik Düsseldorf]
Hier in Deutschland gilt Glaube allgemein als Privatsache. Das geht sogar so weit, dass allein die bloße Frage danach als tiefer Eingriff in die Privatsphäre betrachtet wird. Uns fällt es deshalb meistens leichter über Sex als über Glauben und die eigene Spirituaität reden.
Doch im Grunde ist eine spirituelle Reise nie reine Privatsache. Ganz im Gegenteil, echte Spiritualität benötigt den gemeinsam gegangenen Weg. Wer Spiritualität erfahren will, egal ob sie nun christlich, buddhistisch, muslimisch oder etwas ganz anderes ist, der ist auf diesem Weg selten alleine unterwegs.
Eine der interessantesten Antworten auf die Frage nach dem Glauben ist die, die man zu hören bekommt, wenn man eine andere Person nach ihrem Glauben befragt: "Ich habe meinen eigenen Glauben." Danach ist dieses Thema dann meist abgeblockt. Das Hintergründige an dieser Reaktion ist allerdings die Tatsache, dass sich die meisten Menschen, die so antworten, meist nicht wirklich Gedanken über ihre eigene Spiritualität gemacht haben, sondern lediglich einen ihrer Meinung unangebrachten Eingriff in ihre Privatsphäre abwehren. Nur wenige meinen es tatsächlich so und haben eine eigenen Glauben entwickelt. "Ich habe meinen eigenen Glauben" ist im Grunde oft nur eine Ausrede. Eine Ausrede deshalb, weil die Beschäftigung mit Glaube und Spiritualität auch eine Beschäftigung mit der Endlichkeit des eigenen Lebens ist, was vielen schwer fällt zu akzeptieren. Doch die Frage nach der Spiritualität, um den Beginn eines Weges anzustoßen, der die Auseinandersetzungen mit den großen offenen Fragen sucht, ist von grundsätzlicher Bedeutung für das Leben eines Menschen.
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