zu Teil I: Einleitung
Wie bei vielen "Trends", die in den USA gesetzt werden und ihren Weg in die Welt suchen, sind sie nur bedingt auf andere Kulturen portierbar. Auch (oder gerade) auf Kulturen, die ähnlich erscheinen, weil sie der "westlichen" Welt angehören.
Der christliche "Gemeindetrend" der
Megachurches stellt dafür ein ausgezeichnetes Beispiel dar. Sie entwickeln sich am besten in Asien und Südamerika, während die europäischen Megachurches an einer Hand abzählbar sind. Neben einigen größeren englischen Gemeinden, gibt es in Deutschland sogar (zumindest nach amerikanischer Zählung) nur eine Megachurch - die
BGG in Stuttgart (ca. 2.600 Mitglieder). Die größte europäische Megachurch ist gar die "
Embassy of the Blessed Kingdom of God for All Nations" in Kiew mit ca. 20.000 Mitgliedern (beides übrigens hochcharismatische Gemeinden).
Dass in Deutschland das Konzept der Großgemeinden sich nie richtig entfaltet hat, liegt natürlich vor allem daran, dass es hier nicht so viele Gläubige gibt wie in den USA, aber mit Sicherheit auch an dem Misstrauen der Deutschen gegenüber der oft Leiter-fixierten Kultur einer solchen Gemeinde. Denn beinahe jede US-Megachurch lebt von ihrem charismatischen leitenden Pastor, der mit diesem Amt nicht wenig Einfluss auf Gläubige, Politik und sogar die (lokale) Wirtschaft hat.
Charismatische Führungsfiguren mit Hang zu einer gewissen Macht sind uns Deutschen verständlicherweise eher suspekt. Dazu kommt unsere eher kühle, nüchterne und weniger begeisterungsfähige Art, ebenso wie der Umgang mit Geld, der für uns - wie das Thema Glaube an sich - zu einem Tabuthema gehört. In einer Megachurch konzentrieren sich aber sehr viele Spendengelder, und gerade US-Pastoren verdienen teilweise Unsummen, auch aus Buchverkäufen und Fernsehsendungen. Über Finanzen spricht man hier eher ungern, Pastoren, die viel Geld haben, bzw. die zeigen, dass sie das Geld haben, sind sehr verdächtig. Ein befreundeter Prediger erzählte mir einmal, dass er aufpassen müsse welches Auto er sich kaufe, weil ein zu teurer Wagen auffalle und man schnell Stirnrunzeln, Unverständnis und seltsame Kommentare ernte.
In Deutschland sind dementsprechend große, charimsatische Führungsfiguren unter Pastoren nicht sonderlich verbreitet. Nur einige Pastoren aus der charismatischen Bewegung und natürlich landeskirchliche Theologen sind etwas bekannter.
Nimmt man das zusammen und addiert noch die (berechtigte) Abneigung vieler deutscher Christen gegenüber christlichen Parallelgesellschaften und Subkulturen hinzu, ergänzt man dann noch das Problem, dass viele Menschen gerade in dieser Masse schnell untergehen, vergessen und übersehen werden können, so ergibt sich ein sehr schlüssiges Bild, das erklärt, warum Megachurches hier nicht wirklich funktionieren.
Auch wenn sicher einige Gemeindeleiter und Pastoren davon Träumen, so viele Menschen für Gott zu erreichen, dass aus ihrer Gemeinde eine Megachurch wird, so ist das Streben nach Größe mit Problemen, (geistlichen) Risiken und kulturellen Besonderheiten verbunden, die man nicht unterschätzen darf. Vielleicht sind deshalb die Gründung einer Tochtergemeinde oder die Einrichtung eines weiteren Campus die besseren Alternativen.
Das waren ein paar Gedanken zum Thema Megachurches. Ergänzungen und Widersprüche sind natürlich willkommen. Teil III vertieft den Trend der Multi-Site-Churches.
Thursday, March 13. 2008 at 21:59 (Link) (Reply)
ich arbeite gerade an meiner Ordinationsarbeit über "Megagemeinden" und bin in den Nachforschungen so auf deine site gestossen.
Erst einmal viel Lob für deine Ausarbeitungen, ich finde sie sehr zutreffend und es ist fast die einzige Seite wo man deutschsprachig etwas über Megagemeinden erfährt.
Deiner kurzen Analyse in diesem Artikel stimme ich im Grunde zu, "glaube" jedoch an ein (hoffentlich) etwas anderes Ergebnis. Ich glaube nicht, das die Gründung einer Tochtergemeinde die "Lösung" bleiben muss. Ich wünsche und bete für viele Megagemeinden in Deutschland und Europa und ich glaube, dass die Deutschen bereit dafür sind, sich darin wohlfühlen und ihr geistliches Zuhause finden würden. Das Problem sehe ich in uns! schon-Gläubigen. Wir brauchen echte Befreiung und Sinnesänderung von den Dingen die du ganz richtig beschrieben hast, und zu aller erst die Leiterschaft.
Friday, March 14. 2008 at 15:12 (Link) (Reply)
ich wünsch dir alles gute für deine ordinationsarbeit, da hast du dir ein spannendes thema ausgesucht.