Neue Schläuche (III): Multi-Site Churches
zu Teil I: Einleitung
zu Teil II: Megachurches
Der dritte Teil der Sere "Neue Schläuche" befasst sich mit dem US-Trend der "Multi-Site Churches". Diesmal ist es allerdings ein nicht ganz so kurzer Überblick geworden:
Das Konzept Multi-Site
Vom Gemeindetyp und -umfang her sind die meisten Multi-Site Churches eigentlich Megachurches, die sich aber auf unterschiedliche Standorte verteilen. Bekannt ist vor allem lifechurch.tv, aber auch viele andere Gemeinden setzen mittlerweise auf dieses Konzept. In den meisten Fällen wird der Hauptgottesdienst per Video in die Standorte ("Campus") übertragen. Es gibt also keine eigene Predigt an den Standorten, sondern nur ein Rahmenprogramm. Oft verfügt ein Campus nicht mal über einen eigenen Pastor.
zu Teil II: Megachurches
Der dritte Teil der Sere "Neue Schläuche" befasst sich mit dem US-Trend der "Multi-Site Churches". Diesmal ist es allerdings ein nicht ganz so kurzer Überblick geworden:
Das Konzept Multi-Site
Vom Gemeindetyp und -umfang her sind die meisten Multi-Site Churches eigentlich Megachurches, die sich aber auf unterschiedliche Standorte verteilen. Bekannt ist vor allem lifechurch.tv, aber auch viele andere Gemeinden setzen mittlerweise auf dieses Konzept. In den meisten Fällen wird der Hauptgottesdienst per Video in die Standorte ("Campus") übertragen. Es gibt also keine eigene Predigt an den Standorten, sondern nur ein Rahmenprogramm. Oft verfügt ein Campus nicht mal über einen eigenen Pastor.
Der Boom der Multi-Site-Bewegung in den Staaten ist seit Jahren ungebrochen. Die Anzahl der auf diese Weise in den USA organisierten Gemeinden ist von 10 im Jahr 1990 auf mehr als 1.500 Ende 2005 drastisch angestiegen (vergleichbar mit der explosionsartigen Verbreitung der Megachurches im gleichen Zeitraum).
Dabei ist es interessant zu beobachten, dass die Multi-Site-Standorte sich nicht als eigenständige bzw. als Tochter-Gemeinde empfinden, sondern als "Campus" und damit als Teil der Gesamtgemeinde, die wiederum durch die große Gesamtmitgliederzahl als eine Megachurch klassifiziert werden kann.
Es scheint, dass Multi-Site nur als eine neue, alternative Organisationsform für Megachurches fungiert. Eine Organisationsform, die es versteht lokaler zu arbeiten, und sich dabei viel stärker neuer Technologien und Methoden bedient, um Gottesdienst und Evangelisation zu gestalten.
Auch kann man auf diese Weise dem Platzbedarf und der Anonymität der großen Megachurches entgegenzuwirken. Durch die Verkleinerung wird die familiäre Atmosphäre und die Überschaubarkeit wiederhergestellt, die bei den großen Gemeinden weitgehend verloren gegangen ist.
Dabei rückt die lokale Verwurzelung des Menschen in den Mittelpunkt, die Sehnsucht nach weniger Anonymität und mehr Gemeinschaft. Multi-Site-Churches entstehen dort, wo die Menschen wohnen, egal ob Vorort oder Innenstadt. Sie bleiben damit in der lokalen Lebenswelt, ziehen die Menschen nicht von dort ab, wo sie herkommen und können so evangelistisch da viel präsenter sein, wo sie auch wirklich gebraucht werden. Damit wird die Zentralisierung des Glaubenslebens umgekehrt, der viele Megachurches groß und stark gemacht hat. Die zentralisierte Gemeinde mit geistlichem und weltlichem Komplettangebot (inkl. Supermarkt und Starbucks) nahe der Autobahn in irgendeinem Vorot wird nicht mehr als erstrebenswert angesehen. Außerdem spielt auch die durch die höheren Benzinpreise eingeschränktere Mobilität eine wichtige Rolle.
Konzept für Deutschland?
Bei der Portierung auf deutsche Verhältnisse erweist sich dieses Konzept aber als weniger relevant. Da die Gemeindegröße oft nicht erreicht wird, die eine Aufteilung der Standorte erfordern würde, bleibt es für die meisten ein sehr theoretisches Konstrukt. Zumal für viele bei großem Wachstum der eigenen Gemeinschaft zunächst ein neues, größeres Gebäude oder ein Neubau die logische Folge wäre.
Für viele Gemeinden und Leiter scheint hier der Weg zur zentralisierten Megachurch der erstrebenswertere, wie bei einigen deutschen freikirchlichen Gemeinden in der Vergangenheit gut zu beobachten war.
Das Erreichen einer gewissen Größe ist in der Regel verbunden mit einem mächtigen Neubau. Die Folge: Die Gemeinde verlässt die Stadt und zieht nun in einen Vorot, der am besten mit dem Auto zu erreichen ist. "Groß für Gott" ist in diesem Zusammenhang ein nicht selten geäußerter Gedanke.
Teilt sich eine Gemeinde dagegen auf, bedeutet das hierzulande eher, dass es unüberbrückbare Differenzen gibt, die zu einem Austritt einiger Mitglieder führt, oder dass Missionare entsendet werden, die ein Gemeindegründsprojekt beginnen. So entstehen dann Tochtergemeinden.
Eine weiterer Aspekt, der das Multi-Site-Konzept nur schwer adaptierbar macht, ist der Rückstand deutscher Gemeinden in technischen Aspekten und das nur mäßige Verständnis für Videoübertragungen von Predigten. Durch ProChrist und JesusHouse hat es zwar eine gewisse Akzeptanz gefunden, aber die beiden Evangelisationsreihen leiden doch auch sehr unter dem in diesem Fall eher etwas drögen Konzept, das sehr distanziert daherkommt, vor allem da Evangelisation gerade in Deutschland auf viel Nähe und Beziehungen angewiesen ist.
Diese Erkenntnis, und die Tatsache, dass die meisten deutschen Christen einen "echten" Pastor in Fleisch und Blut als seriösen Bezugspunkt brauchen, und zudem kaum Erfahrung mit Fernsehpredigern haben - und diese auch eher ablehnen -, würde vermutlich derzeit noch zu starker Ablehnung und Unverständnis gegenüber dieser Art von Gemeindeform führen.
Multi-Site als Chance für die Landeskirchen?
Für einen weiteren Kirchen-Bereich, jenseits der freien Gemeinden, könnte Multi-Site in abgewandelter Form allerdings duchaus doch eine Rolle spielen - oder zumindest eine Option sein, um den immensen Strukturwandel in den Griff zu bekommen.
Die evangelischen Landeskirchen befinden sich derzeit in einem großen Wandlungsprozess, der sich in den nächsten Jahren deutlich verstärken wird. Simon de Vries hat natürlich recht, wenn er für vielfältige Gemeindeformen innerhalb der Landeskirchen plädiert. Denn darin liegt sicherlich die Zukunft für die Kirche im Dorf, die auch gleichzeitig Kirche in der Stadt und Kirche für alle Generationen sein möchte.
Eine dieser Gemeindeformen könnte tatsächlich die Multi-Site-Gemeinde sein. Denn in Zukunft wird sich Pfarrermangel stark bemerkbar machen, und zudem der Mitgliederschwund und der weitere Rückgang der Gottesdienstbesucher dazu führen, dass Gemeinden weiter zusammengelegt werden, was das Aus für viele Ortsgemeinden bedeutet.
Gerade auf dem Land werden diese Auwirkungen dramatisch sein. Die Kirchen werden auf den Dörfern nur noch wenig präsent sein, was zugleich eine schwierige Situation für den Überrest der Kirchgänger bedeutet, die zumeist älter sind und in ihrer Mobilität eingeschränkt. Denn das Verschwinden vieler Gemeinden wird die Zentralisierung verstärken, und das wird ortsgebundene Menschen von der Kirche geradezu ausschließen. Um das zu verhindern könnten in Zukunft Videoübertragungen aus anderen Kirchengemeinden (z. B. aus dem Nachbardorf oder aus der nächsten Stadt) in kleine Gemeinschaftsäle von Dörfern, die keine geistliche "Grundversorgung" durch die evangelische oder katholische Kirche mehr erhalten, eine mögliche Option sein.
Freilich ist der Weg dahin noch weit, zumal eine Gemeinde ohne vor Ort präsenten Pfarrer sicher nicht erstrebenswert ist. Darüber hinaus würden die meisten älteren Kirchgänger das derzeit sicher (noch) nicht akzeptieren und die Großkirchen würden es (noch) strikt ablehnen, aber in ein paar Jahren sieht die Situation vielleicht ganz anders aus, und Multi-Site könnte auf diese Weise sogar sehr bald schon Einzug in deutsche Gepflogenheiten halten.
Zum Weiterlesen:
- Wikipedia-Eintrag
- Blog zum Thema: the multi-site church revolution
- Outreach Magazine: The coming multi-site church revolution; Sep./Oct. 2005
Das waren ein paar Gedanken zum Thema Multi-Site Churches. Ergänzungen und Widersprüche sind natürlich willkommen. Teil IV betrachtet die Emerging Church-Bewegung.
Dabei ist es interessant zu beobachten, dass die Multi-Site-Standorte sich nicht als eigenständige bzw. als Tochter-Gemeinde empfinden, sondern als "Campus" und damit als Teil der Gesamtgemeinde, die wiederum durch die große Gesamtmitgliederzahl als eine Megachurch klassifiziert werden kann.
Es scheint, dass Multi-Site nur als eine neue, alternative Organisationsform für Megachurches fungiert. Eine Organisationsform, die es versteht lokaler zu arbeiten, und sich dabei viel stärker neuer Technologien und Methoden bedient, um Gottesdienst und Evangelisation zu gestalten.
Auch kann man auf diese Weise dem Platzbedarf und der Anonymität der großen Megachurches entgegenzuwirken. Durch die Verkleinerung wird die familiäre Atmosphäre und die Überschaubarkeit wiederhergestellt, die bei den großen Gemeinden weitgehend verloren gegangen ist.
Dabei rückt die lokale Verwurzelung des Menschen in den Mittelpunkt, die Sehnsucht nach weniger Anonymität und mehr Gemeinschaft. Multi-Site-Churches entstehen dort, wo die Menschen wohnen, egal ob Vorort oder Innenstadt. Sie bleiben damit in der lokalen Lebenswelt, ziehen die Menschen nicht von dort ab, wo sie herkommen und können so evangelistisch da viel präsenter sein, wo sie auch wirklich gebraucht werden. Damit wird die Zentralisierung des Glaubenslebens umgekehrt, der viele Megachurches groß und stark gemacht hat. Die zentralisierte Gemeinde mit geistlichem und weltlichem Komplettangebot (inkl. Supermarkt und Starbucks) nahe der Autobahn in irgendeinem Vorot wird nicht mehr als erstrebenswert angesehen. Außerdem spielt auch die durch die höheren Benzinpreise eingeschränktere Mobilität eine wichtige Rolle.
Konzept für Deutschland?
Bei der Portierung auf deutsche Verhältnisse erweist sich dieses Konzept aber als weniger relevant. Da die Gemeindegröße oft nicht erreicht wird, die eine Aufteilung der Standorte erfordern würde, bleibt es für die meisten ein sehr theoretisches Konstrukt. Zumal für viele bei großem Wachstum der eigenen Gemeinschaft zunächst ein neues, größeres Gebäude oder ein Neubau die logische Folge wäre.
Für viele Gemeinden und Leiter scheint hier der Weg zur zentralisierten Megachurch der erstrebenswertere, wie bei einigen deutschen freikirchlichen Gemeinden in der Vergangenheit gut zu beobachten war.
Das Erreichen einer gewissen Größe ist in der Regel verbunden mit einem mächtigen Neubau. Die Folge: Die Gemeinde verlässt die Stadt und zieht nun in einen Vorot, der am besten mit dem Auto zu erreichen ist. "Groß für Gott" ist in diesem Zusammenhang ein nicht selten geäußerter Gedanke.
Teilt sich eine Gemeinde dagegen auf, bedeutet das hierzulande eher, dass es unüberbrückbare Differenzen gibt, die zu einem Austritt einiger Mitglieder führt, oder dass Missionare entsendet werden, die ein Gemeindegründsprojekt beginnen. So entstehen dann Tochtergemeinden.
Eine weiterer Aspekt, der das Multi-Site-Konzept nur schwer adaptierbar macht, ist der Rückstand deutscher Gemeinden in technischen Aspekten und das nur mäßige Verständnis für Videoübertragungen von Predigten. Durch ProChrist und JesusHouse hat es zwar eine gewisse Akzeptanz gefunden, aber die beiden Evangelisationsreihen leiden doch auch sehr unter dem in diesem Fall eher etwas drögen Konzept, das sehr distanziert daherkommt, vor allem da Evangelisation gerade in Deutschland auf viel Nähe und Beziehungen angewiesen ist.
Diese Erkenntnis, und die Tatsache, dass die meisten deutschen Christen einen "echten" Pastor in Fleisch und Blut als seriösen Bezugspunkt brauchen, und zudem kaum Erfahrung mit Fernsehpredigern haben - und diese auch eher ablehnen -, würde vermutlich derzeit noch zu starker Ablehnung und Unverständnis gegenüber dieser Art von Gemeindeform führen.
Multi-Site als Chance für die Landeskirchen?
Für einen weiteren Kirchen-Bereich, jenseits der freien Gemeinden, könnte Multi-Site in abgewandelter Form allerdings duchaus doch eine Rolle spielen - oder zumindest eine Option sein, um den immensen Strukturwandel in den Griff zu bekommen.
Die evangelischen Landeskirchen befinden sich derzeit in einem großen Wandlungsprozess, der sich in den nächsten Jahren deutlich verstärken wird. Simon de Vries hat natürlich recht, wenn er für vielfältige Gemeindeformen innerhalb der Landeskirchen plädiert. Denn darin liegt sicherlich die Zukunft für die Kirche im Dorf, die auch gleichzeitig Kirche in der Stadt und Kirche für alle Generationen sein möchte.
Eine dieser Gemeindeformen könnte tatsächlich die Multi-Site-Gemeinde sein. Denn in Zukunft wird sich Pfarrermangel stark bemerkbar machen, und zudem der Mitgliederschwund und der weitere Rückgang der Gottesdienstbesucher dazu führen, dass Gemeinden weiter zusammengelegt werden, was das Aus für viele Ortsgemeinden bedeutet.
Gerade auf dem Land werden diese Auwirkungen dramatisch sein. Die Kirchen werden auf den Dörfern nur noch wenig präsent sein, was zugleich eine schwierige Situation für den Überrest der Kirchgänger bedeutet, die zumeist älter sind und in ihrer Mobilität eingeschränkt. Denn das Verschwinden vieler Gemeinden wird die Zentralisierung verstärken, und das wird ortsgebundene Menschen von der Kirche geradezu ausschließen. Um das zu verhindern könnten in Zukunft Videoübertragungen aus anderen Kirchengemeinden (z. B. aus dem Nachbardorf oder aus der nächsten Stadt) in kleine Gemeinschaftsäle von Dörfern, die keine geistliche "Grundversorgung" durch die evangelische oder katholische Kirche mehr erhalten, eine mögliche Option sein.
Freilich ist der Weg dahin noch weit, zumal eine Gemeinde ohne vor Ort präsenten Pfarrer sicher nicht erstrebenswert ist. Darüber hinaus würden die meisten älteren Kirchgänger das derzeit sicher (noch) nicht akzeptieren und die Großkirchen würden es (noch) strikt ablehnen, aber in ein paar Jahren sieht die Situation vielleicht ganz anders aus, und Multi-Site könnte auf diese Weise sogar sehr bald schon Einzug in deutsche Gepflogenheiten halten.
Zum Weiterlesen:
- Wikipedia-Eintrag
- Blog zum Thema: the multi-site church revolution
- Outreach Magazine: The coming multi-site church revolution; Sep./Oct. 2005
Das waren ein paar Gedanken zum Thema Multi-Site Churches. Ergänzungen und Widersprüche sind natürlich willkommen. Teil IV betrachtet die Emerging Church-Bewegung.
Posted by francis
in Evangelikalismus, Glaubenskultur, Spiritualität -
Comments (7)
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Wednesday, March 26. 2008 at 18:43 (Link) (Reply)
in Deutschland gibt es (noch) keine einzige Multi-Site Gemeinde. Das haben unsere Studien ergeben. Wir werden hoffentlich am Ende des Jahres damit experimentieren, 1-2 Satellitenkirchen aufmachen.
Wäre sicherlich für den altgebackenen Christen gewöhnungsbedürftig. Wenn man jedoch Ungläubige als Zielgruppe hat, ist das eine Idee, die man sehr gut verfolgen könnte. z. B. für Hausgemeinden.
Alles, das die Gemeinde Deutschlands revolutionieren würde wäre so radikal neu, dass viele es gar nicht verstehen könnten oder würden. (Erinnert mich an die Reformation??)
LG
Danny
Wednesday, March 26. 2008 at 21:53 (Reply)
Was die katholische Kirche betrifft, so wäre dieses Konzept überhaupt nicht praktikabel. Allein schon deswegen, weil die Teilnahme am Messopfer nicht durch die Teilnahme an einer Übertragung ersetzt werden kann (das ist seit Beginn der TV- und Radio-Übertragungen so festgelegt). Als Kompromiss wird es heute bereits oft so gemacht, dass nur in einem Wortgottesdienst die Kommunion verteilt wird (von Laien oder von einem Diakon), wo es keinen Priester gibt, der die Sonntagsmesse zelebrieren könnte. Und Jesu Leib und Blut kann man eben nicht über eine Videowall empfangen....
Friday, March 28. 2008 at 12:51 (Link) (Reply)
@petra:
"Da schaut man sich wohl doch lieber den Fernsehgottesdienst zu Hause an"
stimmt, das wird gerade für ältere einen ähnlichen effekt haben.
"Ich denke, das völlige Abziehen von Pastoren aus Fleisch und Blut aus den Kirchen vor Ort wäre verheerend"
genau das denke ich auch, aber genau das geschieht ja jetzt schon sehr oft, weil viele kirchen eben leer sind und man sie dann zusammenlegt. um die kirchen zu füllen benötigt man aber einen "echten" pastor. ein übler kreislauf das ganze.
"Und Jesu Leib und Blut kann man eben nicht über eine Videowall empfangen...."
Tuesday, May 27. 2008 at 12:37 (Link) (Reply)
Besteht Gemeinde und deren Organisation/Kultur/Gesellschaft nur aus Gottesdienst?
Viel interessanter ist doch: Wie schaffen es die "Campus"-Gemeinden, eine Vernetzung aufrecht zu erhalten, sich als Teil des Ganzen zu fühlen?
Wie findet ein Resourcen-Austausch, ein Miteinander, eine Verbundenheit statt?
Das wird doch auch in Amerika wohl kaum alles durch die sonntägliche Video-Übertragung aufgebaut!
(BTW: Sonst braucht man keine Multi-Site als Begriff, da können sich auch Freikirchen den Pastor sparen und Predigt-DVDs von irgendwoher kommen lassen, wenn das alles wäre).
Nebenbei ist das für mich ein wesentlicher Mangel von ProChrist/JesusHouse.
Im Vorfeld ist die Vernetzung schon relativ schwammig, kurz nach der Übertragung bricht das bundesdeutsche Netz zusammen und jeder Veranstaltungsort verkriecht sich wieder in seinen Privatbunker.
ZU:
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"Ich denke, das völlige Abziehen von Pastoren aus Fleisch und Blut aus den Kirchen vor Ort wäre verheerend"
genau das denke ich auch, aber genau das geschieht ja jetzt schon sehr oft, weil viele kirchen eben leer sind und man sie dann zusammenlegt. um die kirchen zu füllen benötigt man aber einen "echten" pastor.
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Mir fehlt bei dieser Sichtweise sehr stark ein Blickwechsel hin zum Allgemeinen Priestertum. Denn eines zeigen gerade die kleinen Freikirchen ja: Das Gemeindeleben besteht durch das Mitwirken der gesamten Mitgliederschaft.
Und ein Pfarrer/Pastor macht keine Kirche. Kirche sind die engagierten und im positiven Sinne missionsbewussten Christen am Ort.
Mir wird ganz generell immer noch viel zu viel Verantwortung auf den Hauptamtlichen abgewälzt, der dann stellvertretend für alle das Fromm-Sein zu übernehmen hat.
Hat meiner Ansicht nach mit dem, was man in den Bewegungen der Urgemeinden (damit meine ich sowohl die neutestamentlichen, als auch die Gründungszeit von Ortsgemeinden und Freikirchen) vorfindet, nicht mehr viel zu tun.
Saturday, May 31. 2008 at 16:40 (Link) (Reply)
"wieso geht der Artikel dann fast ausschliesslich auf sonntägliche Video-Übertragung ein?"
weil das der dreh- und angelpunkt der multi-site-bewegung ist, sozusagen der kern dieser neuen form von gemeinde. und weil eine tiefere analyse hier den rahmen gesprengt hätte.
alle deine weiteren fragen wären auf jeden fall gute impulse für einen weiteren, intensiveren beitrag zu dem thema. vielleicht reich ich das irgendwann mal nach.
ich denke übrigens auch, dass das ein großer mangel bei prochrist und jesushouse in der derzeitigen umsetzung ist.
"Denn eines zeigen gerade die kleinen Freikirchen ja: Das Gemeindeleben besteht durch das Mitwirken der gesamten Mitgliederschaft."
das empfinde ich bei kleinen gemeinden/gemeinschaften, wie z. b. auch bei uns bei mosaik, als einen großen vorteil.
aber schon bei etwas größeren freikirchen verlagert sich das wieder stark auf den/die hauptamtlichen, was sehr schade ist.
danke für deinen input. gerade die fragen ergänzen den beitrag sehr gut.
Friday, March 28. 2008 at 16:13 (Reply)
Ja, das ist eben das Tragische. Dabei denke ich, dass man solche Gemeinden nicht allzu leicht aufgeben sollte. Man weiß nie, wie der Heilige Geist wirkt.
Ein Beispiel: Ich kenne eine evangelische Gemeinde am Stadtrand von Budapest - guter Geist, sehr lebendig, mit drei Pastoren (2 Männern und 1 Frau). Zu dieser Gemeinde gehört auch eine Filiale in einem Nachbarviertel, das seit Jahrzehnten völlig vernachlässigt war und nicht mal eine eigene Kirche hatte, bloß ein Gebetshaus gemeinsam mit den Calvinisten. Die Pastorin entschied sich, da mal was zu tun, und kontaktierte alle Leute, die offiziell zur Gemeinde gehörten, telefonisch, und lud sie zum nächsten Sonntagsgottesdienst ein. Dort gab sie dann bekannt, dass sie am nächsten Donnerstag eine Bibelrunde in ihrer Dienstwohnung halten würde. Sie rechnete mit vielleicht 3-4 Besuchern - und war völlig von den Socken, als plötzlich vielleicht 15 Leute in ihrem Wohnzimmer saßen, begierig, das Wort Gottes zu hören und mehr über ihren Glauben zu lernen! Begeistert von diesem Wirken des Geistes entschied sie sich, sich nun ganz dieser Gemeinde zu widmen und für die Menschen dort da zu sein...
Es gibt also immer einen Weg, und meistens geht dieser gar nicht über die "neue Medien", sondern über die ganz alten - nämlich die persönliche Begegnung mit anderen Menschen...
Sunday, March 30. 2008 at 13:25 (Link) (Reply)
das ist sowieso das allerwichtigste, das wir lange zeit vernachlässigt haben, zugunsten der form. dabei geht nichts über die persönliche begegnung und die beziehungen zu anderen menschen. abgesehen stehen pastoren in den gemeinden vor der extrem schwierigen aufgabe, allen gerecht zu werden. sie sind teilweise so in der defensive (und oft ohne die unterstützung gläubiger ehrenamtlicher) und mit ihrer täglichen arbeit beschäftigt, dass sie sich gar nicht um die mission kümmern können, was absurd und tragisch ist. und plötzlich ist der pastor ausgebrannt und die gemeinde eingeschlafen.
aber danke für dieses schöne, sehr positive beispiel aus budapest.