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Ich möchte mich zu dem Thema "
Emerging Church" eigentlich nicht so viel äußern, aber hier doch - bevor es in die Weihnachtspasue geht - zumindest noch eine Beobachtung loswerden, die sich mir als "Außenstehender" aufgedrängt hat.
Schon seit einiger Zeit habe ich immer mehr so das Gefühl, dass die Emerging Church in Deutschland anfängt sich selbst im Weg zu stehen. Die neue Öffentlichkeit und die Diskussionen und Debatten, die
im Umfeld um die Studientage entstanden oder wieder neu entflammt sind, zeichnen da ein sehr deutliches Bild.
Da entsteht eine Bewegung, obwohl keine Bewegung entstehen soll, da wird über die
Emerging Conversation statt über die Emerging Church gesprochen, um zu verdeutlich, dass man keine neue Kirche und Bewegung sein möchte. Es wird betont, dass EC kein Label ist, und dass es um ein anderes Denken und neue Debatten, und um gesellschaftliche und kulturelle Relevanz geht. Es soll um Inhalte gehen, um Erneuerung auf breiter Basis, nicht um eine Bewegung mit vorgefertigten Konzepten und einem Namen, einem Etikett und einem Label (wie das gern genommene Beispiel Willow Creek).
Aber irgendwie entsteht da eben doch eine Bewegung, was sich
letzte Woche in der Debatte um das
Editorial zur Emerging Church in der aktuellen idea-Ausgabe gut manifestiert hat. Da gibt es eine Gruppe von Leuten, die sich sehr stark engagieren, die den Schulterschluss untereinander suchen, da gibt es konzeptionalle Ansätze und Gedanken (die freilich nicht so strukturell sind wie ein Willow Creek-Programm) und ein entstehendes Label (der Name Emerging Church allgemein, hier in Deutschland die Anlaufstelle Emergent Deutschland).
Ich frage mich, warum "Labellosigkeit" in der Emerging Church eigentlich zum Markenzeichen gehört (zumindest klingt das so durch), dabei aber während all der Diskussionen in den vielen Blogs und der jetzt verstärkten öffentlichen Aufmerksamkeit im christlichen Deutschland trotzdem eines entstanden ist?!
Es ist DIE "Emerging Church"-Bewegung, die sich jetzt - dank idea - im Bewusstsein einer breiteren Schicht von Christen als Label hierzulande festsetzt. Genauso wie es zuvor in den USA passiert ist.
Das ist sehr schade, denn das Label wird zukünftig viel mehr Widerspruch auslösen als die eigentlichen Gedanken und Ideen dahinter es tun werden. Es lädt zum Vereinfachen ein, und zum Brandmarken, zum Zurückschrecken, zum Bekämpfen, und zur Schaffung von "Verantwortlichen" und Identifikationsfiguren.
All das ist sicher nicht gewollt, vollzieht sich aber derzeit anscheinend trotzdem. - Oder liege ich da völlig falsch mit meinen Beobachtungen? Wie seht ihr das?
Saturday, December 22. 2007 at 06:51 (Link) (Reply)
Nur ist das eher ein Problem der vorhandenen Öffentlichkeitsstruktur. Die steht dem Weiterdenken leider viel mehr im Weg als die EmCh (so es sie denn gibt) sich selbst.
Saturday, December 22. 2007 at 11:05 (Link) (Reply)
Es ist eben einfacher, für "etwas" einen Namen zu haben (s.a. Benennung der Tiere im Schöpfungsbericht). Auf Dauer geht es kaum anders.
Im schlimmsten Fall macht man es, wie es der Künstler Prince mal getan hat: man hat keinen Namen mehr, sondern höchstens noch ein Zeichen.
Aber jeder ist herausgefordert, hinter die Kulissen zu schauen.
Mal auf Menschen bezogen:
"Tom" ist nicht gleich "Tom".
Und mancher, der wie ein Penner aussieht, ist eigentlich Staatsanwalt.
Und Willow Creek ist auch nicht mehr das, was sie vor 20 Jahren waren.
Und EC ist sowohl entschieden für Christus als auch emergent.
Kurzum:
Labels können helfen, ohne geht es letztlich nicht - aber jeder ist herausgefordert, sein Hirn einzuschalten.
Schöne Weihnachten!
Dirk.
Saturday, December 22. 2007 at 11:10 (Link) (Reply)
Tuesday, December 25. 2007 at 19:17 (Link) (Reply)
Erstmal danke für euer Statement.
@Walter und Dirk:
Danke für eure Ergänzungen und Einschätzungen was die öffentliche Wahrnehmung und den Umgang (inkl. Missbrauch) mit Labels angeht. Ich sehe das sehr ähnlich, und denke, dass gerade in Deutschland das Denken in Labels (auch: Schubladen) sehr ausgeprägt ist. Ich bin der Meinung, dass wir als Christen diesem Denken nur eingeschränkt oder besser gar nicht folgen sollten. Leider war ist es noch immer üblich, dass gerade Christen in Labels denken, vor allem innerhalb der evangelikalen Bewegung.
@toby:
Ich bin froh, dass ein solcher Prozess in Gang gekommen ist, der die evangelikale Spiritualität verändert, und in gewisser Weise in bestimmten Bereichen Krusten aufbricht, die schon viel zu lange Bestand hatten. Deshalb denke ich, dass die Debatten gut sind, und die richtigen Gedanken und Ideen transportieren. Aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es Strukturen und ein Label geben muss. Die Gedanken und Ideen der Emerging Church können (gerade in Deutschland) viel mehr Kraft entfalten, wenn sie nicht so schnell (per Label) zum Feindbild stilisiert werden können.
Einklinken bei Emergent Deutschland wäre - wenn überhaupt - für mich auf jeden Fall noch zu früh. Nicht ohne einige Dinge mal mit einem ECler persönlich durchgesprochen zu haben. Das würde mir, denke ich, am meisten helfen, die Sache besser zu verstehen.