Zumindest gestern mal wieder. Bei Kerner.
Er hatte
Richard Dawkins (Autor von "Der Gotteswahn") zu Gast in einer Runde, die das Thema "Abkehr vom Glauben: Die neuen Atheisten" (Maischberger hatte Dienstag ein
ähnliches Thema) diskutierte. Neben Dawkins waren der EKD-Ratsvorsitzende
Wolfgang Huber, Weihbischof
Hans-Jochen Jaschke und
Heiner Geißler mit dabei.
Viel spannendes kam dabei aber irgendwie nicht zusammen. Nur der übliche Content zu dem Thema "Gibt es einen Gott?", ein paar "brisante" Passagen aus dem Buch "Der Gotteswahn" und einige diffuse Gedanken dazu.
Zunächst mal: Dass Heiner Geißler bei solchen Runden immer wieder dabei ist, verstehe ich nicht. Denn schließlich hat er nicht wirklich was wirklich relevantes zu dem Thema Glaube zu sagen (also genauso wie in seinen grausamen Büchern). Geißler ist im Prinzip das Paradebeispiel eines prominenten Vertreters des reinen Intellektuellen- und Kulturchristentums mit starker sozialer Komponente.
Und Dawkins habe ich irgendwie bissiger erwartet, und mit spannenderen Ausführungen und herausforderenden Gedanken. Vielleicht hatte er auch einfach keine Lust, er wirkte zeitweise nämlich ziemlich gelangweilt.
Huber hingegen war sehr leidenschaftlich dabei und bezeichnet das Buch als aggressiv, unmenschlich und fundamentalistisch. Er stellte Fundamentalismus in Religion und Fundamentalismus in Atheismus sozusagen als Geschwister im Geiste gegenüber.
Am interessantesten war aber eigentlich, dass sich im Verlauf der Sendung bald alle einig darüber waren, dass es keine Hölle gibt (
PRO hat das stark thematisiert).
Dawkins nutzte die allgemeine Kuschelhaltung der Großkirchen, die darauf abzielt unbequeme Fragen des Glaubens auszublenden in diesem Moment ziemlich klug ausgenutzt, um den anwesenden Theologen ein Bekenntnis zum höllenlosen Christentum zu entlocken.
Das war einer der aufschlussreichsten Momente der Diskussion. Hier der Wortlaut (dem
PRO-Artikel entnommen):
Dawkins: "Nehmen Sie etwa die Lehre von der Hölle. Das ist eine Drohung, die mit einem liebenden Gott nichts zu tun hat."
Geißler: "Man muss auch einmal Dinge über Bord werfen. Die Hölle ist mit dem Bild eines gütigen Gottes nicht übereinbringbar."
Huber: "Man muss den Leuten nicht androhen, dass sie in die Hölle kommen, weil sie sich einmal vor Gott zu verantworten haben. Dennoch darf es nicht so sein, dass wir uns das Bild eines niedlichen Gottes aneignen."
Dawkins: "Ich freue mich sehr darüber, dass Kirchen in Deutschland nicht mehr an die Hölle glauben und diese nicht mehr lehren. Doch in Südamerika oder den USA wird das immer noch gelehrt."
Einen Kommentar dazu kann ich mir sparen, das hat
Welt Online schon besorgt; der Kommentator bringt es auf den Punkt:
"Mit weichgespülten westeuropäischen Theologen, die in schöner Einmütigkeit erklären, die Hölle habe für sie 'keine große Bedeutung', ihre Existenz werde von der Kirche 'eigentlich nicht' gelehrt (Jaschke), die 'Kritik der Höllenforschung' sei eine der Stärken der modernen Theologie (Huber) und überhaupt sei 'die Existenz der Hölle unvereinbar mit der Existenz eines gütigen Gottes' (Geißler) hatte Dawkins sichtlich seine Schwierigkeiten. Wenn der Abend bei Kerner dennoch intellektuell interessant war, so eben deshalb, weil die Ausführungen der Dawkins-Gegner klar machten, wie sehr die christliche Religion in Deutschland heute einerseits zur reinen Lebensphilosophie, andererseits zur Magd der Politik verkommen ist."
Die Sendung bewies eigentlich nur zwei Dinge: Die von Kerner anfangs eingeworfenen Trends zu "neuer Religiösität" und zum "neuen Atheismus" sind weitgehend heiße Luft, und die theologische Liberalisierung der Großkirchen schreitet noch immer beinahe ungebremst voran. Vor allem von Huber bin ich enttäuscht, da hätte ich doch mehr und deutlichere Positionierung erwartet.
Saturday, November 17. 2007 at 00:26 (Link) (Reply)
Saturday, November 17. 2007 at 15:21 (Link) (Reply)
Aber du hast recht: an vielen Stellen ging die Diskussion an wesentlichen Punkten vorbei. Bischof Huber hatte an manchen Stellen zwar eine klare Position (zB. die berechtigte Klarstellung im Blick auf die verschiedenen Ebenen der "Wissenschaftlichkeit") und hat auch mit Biß diskutiert - aber eben nicht an allen Punkten. Und lange nicht so klar 'missionarisch', wie er sich verbal auch schon mal gegeben hat. Und der unbedarfte Zuschauer musste wirklich mit dem Gefühl zurückbleiben, sobald etwas in der Bibel anstößig ist, "kann man es heute so nicht mehr sagen / ernstnehmen / muss es interpretieren". Also wozu noch aufregen?
Monday, November 19. 2007 at 16:31 (Link) (Reply)
dazu kam, dass viele argmuente für den glauben nicht diskutiert wurden. alles wurde nur sehr ansatzweise behandelt. aber okay, es waren auch nur 45 minuten. nicht viel zeit für dieses thema. schade schade, das ganze.