Eine Bekannte von mir hilft bei einem evangelischen Missionsdienst einer Landeskirche am Stand aus. Ein Radioreporter kommt und macht einige Interviews. Ihr werden ein paar Fragen gestellt. Während ich an einem Gummibärchen kaue, kommt er zum Thema Mission.
Reporter: "Ich meine, Sie nennen sich ja Missionsdienst." Fast angewidert: "Wie ist das denn mit der Mission? Machen Sie sowas?"
Sie: "Nein, so ist das heute nicht mehr. Mission, das sehen wir heute vielmehr als etwas, um eine bessere kulturelle Verständigung zu schaffen, um die Menschen zu unterstützen aus der Armut herauszukommen, und eine Basis für den Frieden zu schaffen."
Sie hält kurz inne, ihr fällt etwas ein: "WIr missionieren die Menschen eigentlich eher sogar zurück. Dass sie sich wieder auf ihre eigenen Werte und ihren eigenen Glauben besinnen."
Ich verschlucke mich fast an einen Gummibärchen, und frage mich, was die Missionsgesellschaft wohl dazu sagen wird. Vermutlich aber nicht mal sehr viel.
Auf dem Markt der Möglichkeiten bin ich mal ein wenig durch die Reihen der schwullesbischen Christen gestolpert, und wurde an jedem Stand beim Vorbeigehen sofort nett angesprochen, in ein kurzes Gespräch verwickelt und mit einem Flyer ausgestattet.
Als ich die Flyer in meine Tasche packen wollte, hatte ich kurz das idea-Probeexemplar aus Halle 6 in in meinen Händen, und ich spürte sofort das Erwachen meiner homophoben Seite in mir.
Die trieb mich dann auch gleich zum Stand der PBC, wo ich zum Ausgleich dafür zwei oder drei Flyer zum "Christlichen Familienbild" mitnahm und mich bald wieder wie ein richtiger Evangelikaler fühlte.
Dass ich
diese Veranstaltung verpasst habe, ärgert mich im Nachhinein fast ein wenig.
Zur Gesamtstimmung des Kirchentags: Sehr gut, vor allem abends war es schön, und viele singende und fröhliche Gruppen waren in der Stadt unterwegs. Manche Kölner, die mit Kirche und Glaube gar nichts anfangen konnten, und an einer versammelten und Lobpreislieder singenden Meute vorbeiliefen, reagierten allerdings manchmal sehr ätzend (was sich in aggressiven Sprüchen, angewidertem Vorbeirennen oder verachtenden Gelächter ausdrückte). - Außerdem nervten die Sekten im Umfeld haben mal wieder. Adventistische Splittergruppen sind da ja besonders hartnäckig.
Und es gibt sie übrigens immer noch: Die Christen, die Socken zu Sandalen anziehen.
Am Rande: In einer Kölner Straßenbahn klebte folgende Anzeige: "Jesus tilgt Sünden. Lies in der Bibel! Jesus rettet." - Wer, zum Henker, denkt sich solche Sprüche aus?!? Das ist doch gruselig. Wen sollen die, bitteschön, ansprechen?!? Kann mir das mal jemand erklären?
Wednesday, June 13. 2007 at 08:48 (Link) (Reply)
Wednesday, June 13. 2007 at 09:13 (Link) (Reply)
Thursday, June 14. 2007 at 00:15 (Link) (Reply)
ansonsten: gut gemacht, francis! du wirst irgendwann noch die idea übernehmen.
Thursday, June 14. 2007 at 15:09 (Link) (Reply)
@tino: haha, ja, die idea-übernahme ist dann aber nur der anfang!