Spiegel Online über
das Leiden der jungen Männer. Eine eindrucksvolle Analyse einer Untersuchung des Familienministeriums, verständlich und von mir vollkommen nachvollziehbar. Im Mittelpunkt steht die Angst vor dem Scheitern in vielfältiger Art und Weise:
Die jungen Männer mit Abitur präsentieren sich in einer ganz anderen Verfassung. Sie repräsentieren die Kehrseite der Chancen- und Optionsmedaille: Die grassierende Angst davor, sich falsch zu entscheiden, die Furcht vor dem Versagen, dem Scheitern. Auch sie sind in den neunziger Jahren groß geworden, in der neureichen Stimmung des Anything Goes.
[...]
Die Vermehrung individueller Optionen bedeutet stets auch die Multiplikation von individuell zu ertragenden Fehlentscheidungen; großartige Chancen werden mit verheerend verpassten Gelegenheiten korrelieren; die Rollen werden multipler und immer schwieriger auszubalancieren - und all diesen Prozessen fehlt die regulative Idee, eine handlungsorientierende, auch Sicherheit vermittelnde Vorstellung vom "richtigen und anständigen Leben".
Die "regulative Idee" fehlt, die Vorstellung vom "richtigen und anständigen Leben"? Es wäre Aufgabe der Kirche, eine solche "Idee" zu vermitteln. Doch sie tut das kaum noch. Das hat sogar Bischof Wolfgang Huber (EKD-Ratsvorsitzender) in seiner Pfingstpredigt
eingesehen:
"Wir haben die öffentliche Unentbehrlichkeit unserer Kirche lieber mit anderen Themen unter Beweis gestellt als mit dem Bekenntnis zu Christus und dem unverschämten Zutrauen zum Heiligen Geist."
Eine Anmerkung noch: Das soll jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass gläubige Männer die bei
Spiegel Online beschriebenen Ängste deshalb nicht haben. Haben sie nämlich auch, nur eben mit einer "regulativen Idee". Ich kann das behaupten, denn ich bin ein Mann. Mit Ängsten.
Friday, June 1. 2007 at 22:59 (Link) (Reply)
Monday, June 4. 2007 at 00:44 (Link) (Reply)