Sekte reloaded - Osnabrück oder das Ende der Ökumene-Träume in der Neuapostolischen Kirche
Die Osnabrücker Predigt von Stammapostel Wilhelm Leber und ihre Auswirkungen.
Mit der Öffnung von Sekten und ihrer Hinwendung zur Ökumene ist das so eine Sache. Für Außenstehende ist es ungemein schwierig einzuschätzen, was intern wirklich vorgeht, welche Strömungen die Oberhand im Ringen um Veränderung haben, und wie sehr sich das interne Bild von der externen Darstellung unterscheidet.
Im Zweifel sollte man immer von der Dominanz der Konservativen ausgehen, die meist die stärkere Fraktion ausmachen.
Das ist in vielen Freikirchen so, und in Sekten daher noch viel stärker ausgeprägt. Schließlich ist die Kernlehre der Sondergemeinschaft, die den sektenhaften Charakter in Vergangenheit geprägt hat, meist ein konservatives Dogma aus der Frühzeit der Gemeinschaft, und es hatte viel Zeit sich zu festigen und alle Strukturen und Gedanken zu durchdringen.
So etwas legt man nicht so schnell ab, und es zu verändern braucht viel Zeit und Willen gegen Widerstände anzugehen - und ggf. Spaltungen in Kauf zu nehmen, wie bei den Adventisten geschehen.
Innerhalb der Neuapostolischen Kirche (NAK) zeigten sich zu Beginn des Jahres deutliche Anzeichen für einen solchen Willen und einen Aufbruch in Richtung Ökumene. Denn Stammapostel Wilhelm Leber, höchster Amtsträger der NAK, der weltweit ca. 11 Millionen Mitglieder angehören, davon 377.000 in Deutschland (sehr stark vertreten ist sie in Baden-Württemberg), verkündete einige Lehrkorrekturen.

Im Zweifel sollte man immer von der Dominanz der Konservativen ausgehen, die meist die stärkere Fraktion ausmachen.
Das ist in vielen Freikirchen so, und in Sekten daher noch viel stärker ausgeprägt. Schließlich ist die Kernlehre der Sondergemeinschaft, die den sektenhaften Charakter in Vergangenheit geprägt hat, meist ein konservatives Dogma aus der Frühzeit der Gemeinschaft, und es hatte viel Zeit sich zu festigen und alle Strukturen und Gedanken zu durchdringen.
So etwas legt man nicht so schnell ab, und es zu verändern braucht viel Zeit und Willen gegen Widerstände anzugehen - und ggf. Spaltungen in Kauf zu nehmen, wie bei den Adventisten geschehen.
Innerhalb der Neuapostolischen Kirche (NAK) zeigten sich zu Beginn des Jahres deutliche Anzeichen für einen solchen Willen und einen Aufbruch in Richtung Ökumene. Denn Stammapostel Wilhelm Leber, höchster Amtsträger der NAK, der weltweit ca. 11 Millionen Mitglieder angehören, davon 377.000 in Deutschland (sehr stark vertreten ist sie in Baden-Württemberg), verkündete einige Lehrkorrekturen.
Am 24. Januar 2006 geschah in Uster in der Schweiz Bemerkenswertes. Die NAK veranstaltete dort einen einen Informationsabend unter der Leitung von Stammapostel Leber persönlich, der in alle NAK-Gemeinden übertragen wurde.
Dort verkündete Leber einige Lehrkorrekturen, bzw. "Präzisierungen der bisherigen Glaubenslehre" der NAK.
Diese "Präzisierungen" betrafen vor allem das Heilsverständnis und die Exklusivität der NAK und das Taufverständnis. Neu am Taufverständnis ist vor allem die Anerkennung der Taufen anderer Kirchen, die im Namen des dreieinigen Gottes und mit Wasser getauft wurden. Allerdings: "Bestehen bleibt die neuapostolische Lehre von der Wiedergeburt als Kombination von Taufe und Versiegelung."
Die allgemeine Euphorie - vor allem innerhalb der progressiven und ökumeneorientierten Strömungen der NAK - war groß. Viele freuten sich über die angebliche Öffnung und es schien ein neues Zeitalter anzubrechen. Der Weg zur Freikirche erschien durchaus in sichtbarer Reichweite, die Mitgliedschaft in der ACK war kein reines Hirngespinst mehr.
Sogar der Beauftragte für Christliche Sondergemeinschaften der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Dr. Andreas Fincke, stellte "verheißungsvolle Entwicklungen" (aus der Kompakt-Info der EZW zur NAK) innerhalb der Lehre der NAK fest, warnte aber zugleich, es bestehe kein Grund zu "ökumenischer Euphorie" (aus der Vollversion dieses Materialdienst-Beitrags).
Doch am Sonntag, den 26.11.06 stellte der Stammapostel in einer innerhalb der NAK Aufsehen erregenden Predigt in einer Osnabrücker Gemeinde einige harte Kernpositionen der exklusiven Sonderlehren des NAK-Selbstverständnis unmissverständlich klar und erteilte somit allen ökumenischen Bestrebungen - mehr oder weniger - eine Absage.
Folgende Aussagen machen das sehr deutlich (dieser Predigtzusammenfassung des NAK-Magazins glaubenskultur entnommen):
Es gibt keine größere Nähe zum Herrn als hier am Altar Gottes, als in der Gemeinschaft der Gotteskinder. Damit werten wir andere gar nicht ab, da kann es auch sehr schöne Dinge geben, sehr schöne Verhältnisse, das Bemühen, wirklich auch Gott zu gefallen. Das wollen wir gar nicht in Frage stellen. Aber die größte Nähe finden wir dort, wo der Herr sich an seinem Altar offenbart.
[...]
Am Apostelamt halten wir fest. Das ist eine Einrichtung, vom Herrn geschaffen.
[...]
Vielleicht lässt man stehen, dass der Heilige Geist notwendig ist, aber wie man ihn erlangen kann, da gibt es verschiedene Meinungen, Sehensweisen. Wir wollen ganz klar erkennen: Das ist an das Apostelamt gebunden. Und die Spendung des Heiligen Geistes ist notwendig, um in die Nähe Gottes zu kommen. [...] Es gibt [...] auch heute manche Versuche, auf andere Art und Weise in den Besitz des Heiligen Geistes zu kommen. Man meint, das muss nicht unbedingt durch einen Apostel geschehen. Es kann auch auf diese oder jene Weise sein, dass man mit dem Heiligen Geist erfüllt ist. [...] Es gibt keinen Ersatzweg. Es geht nicht. Man kann nicht auf andere Weise den Heiligen Geist besitzen oder die Gabe haben, diesen Heiligen Geist zu spenden. Das ist und bleibt eine Sache des Apostelamtes. Alle diese Ordnungen bestehen auf ewig.
[...]
Wir warten unverändert darauf, dass die uns gegebene Verheißung sich erfüllt. Der Herr will wiederkommen, um uns zu sich zu nehmen. Das ist unsere Freude, das ist Inhalt unseres Glaubens, das ist unsere Hoffnung. Dabei bleiben wir.“
[...]
Sündenvergebung. Auch sie ist an das Apostelamt gebunden. Wir bleiben bei dieser Überzeugung. [...] Wenn die Apostel nicht tätig werden, dann ist auch keine Sündenvergebung da. Ich kann das nicht ändern, ihr Lieben, das ist göttliche Ordnung. Daran wollen wir uns halten und orientieren, auch wenn das für manche ein bisschen schwer zu verstehen und sich darin zu bewegen ist. Aber es ist göttliche Ordnung, man kann nichts dazutun und auch nichts wegtun.
Die Aussagen stehen prinzipiell gut für sich alleine. Viel will ich dazu auch nicht schreiben. Es ist ziemlich deutlich, dass Leber das Apostalamt stärkt und die Exklusivität der NAK-Lehre betont. Der Heilige Geist kann nur von NAK-Aposteln gespendet werden. Die Sündenvergebung ist nicht an den Glauben an Jesus, sondern an das Apostelamt gebunden. Ohne die Apostel - so die Kernaussage - gibt es kein Heil. Da erscheint die Anerkennung von Taufen anderer Kirchen wie ein schlechter Witz, kein Zugestnändnis an die Ökumene, sondern eher ein externes Ablenkungsmanöver, um intern die Zügel der Exklusivität und die Macht der Apostel zu festigen.
Zahlreiche kritische und enttäuschte Stimmen von NAK-Mitgliedern im Internet lassen vermuten wie tief nun der Schock im progressiven und ökumenenahen Flügel sitzt.
Ein Mitglied etwa berichtet vom Osnabrücker Gottesdienst:
Was [...] passierte, macht mich nur noch wütend, traurig und sprachlos. [...] Ich habe den Stammapostel so noch nicht erlebt. Fast verbissen, trotzdem mild lächelnd verkündete er mit absolutistischer, fundamentalistischer Konsequenz seine Auslegung des Textwortes. Es gibt nur schwarz und weiß. Sämtliche Usterhoffnungen in 90 Minuten zerstört. Das ist das Ergebnis!
Das Netz ist eher ein Tummelplatz dieser progressiven, ökumenezugewandten Strömung der NAK, und deshalb sind da hauptsächlich enttäuschte und zornige Kommentare zu lesen. Einige fühlen sich sehr verletzt und verschaukelt, andere zweifeln an ihrem Dienst für die NAK.
Doch die Konservativen, die klassischen Sektierer, dürften ihre Freude an den Worten Lebers haben und nun weiter an die Exklusivität der NAK glauben, entgegen allen Anzeichen der Öffnung.
Das NAK-nahe Magazin Christ im Dialog kommentiert:
Wie sehr die Erwartungshaltung vieler Gläubiger enttäuscht wurde, wird auch dadurch deutlich, dass sich Berichte von Kirchenaustritten und Amtsnieder- legungen häufen.
Das Magazin spricht sogar lediglich von einem "suggerierten Aufbruch":
Beruhte die Hoffnung auf eine Öffnung der NAK auf reiner Autosuggestion der Ökumeniker? Wohl kaum. Vielmehr ist das Verhalten des Stammapostels bzw. der Kirchenleitung selbst die Ursache der Hoffnung auf einen ökumenischen Aufbruch der NAK.
Eine klare Absage an ökumenische Bestrebungen blieb demnach bisher nicht nur aus, vielmehr suggerierten die Aussagen und Bemühungen der Kirchenleitung einen ökumenischen Aufbruch [...]
Und das obwohl die Lehränderungen einen solchen Aufbruch bei genauerem hinsehen nicht wirklich hergaben und somit ein Öffnungsprozess somit nie fundiert erfolgt ist:
Es ist [...] festzustellen, dass die von Stammapostel Leber am vergangenen Sonntag gehaltene Predigt keineswegs einen „Rückschritt“ in einem Öffnungsprozess darstellt, sondern dieser Öffnungsprozess auf dogmatischer Ebene nie begonnen hat.
Von außen betrachtet erscheint es einem nun völlig klar. Die letzten Monate der Euphorie, der angeblichen "Öffnung" wurden wirksam öffentlich propagiert, beinahe im Stil einer Imagekampagne, untermauert von Lehrkorrekturen, die bei genauerem Hinsehen eigentlich keine waren. Leber hat mit viel diplomatischem Geschick innerhalb seiner Gemeinde und einer geschickt eingesetzten Öffentlichkeitsarbeit (s. idea-Interview) die NAK in die Nähe der Freikirchen gerückt, inklusive angestrebter ACK-Mitgliedschaft. Dabei vergleicht er die Sonderlehren der NAK ganz offen (und nicht ganz zu unrecht) mit dem exklusiven Taufverständnis der Baptisten:
idea: "Aus Sicht der ACK müßten Sie dafür beispielsweise die Lehre von der Heilsnotwendigkeit des Apostelamtes aufgeben."
Leber: "Dann dürften auch die Baptisten aufgrund ihres Sakramentsverständnisses nicht Mitglied der ACK sein. Ganz zu schweigen von der Katholischen Kirche, die sich als alleinige Kirche versteht. Für eine Mitgliedschaft werden wir die Lehre vom Apostelamt auf keinen Fall aufgeben."
[aus: Materialdienst 09/06, aber auch hier nachzulesen]
Für den Leser suggerierte dieses - von vielen durchaus als "bemerkenswert" eingestufte - Interview, dass die NAK sich auf einem guten Weg in Richtung Freikirche befindet.
Und wer, der sich nicht intensiver damit beschäftigt, kann in der heutigen christlichen Gemeindevielfalt schon eine Christliche Sondergemeinschaft von einer Freikirche unterscheiden?! Die Grenzen sind ohnehin nicht selten fließend.
Zum Beitritt zu den Baptisten beötigt man die Erwachsenentaufe, zur Zugehörigkeit zur NAK eben die Versiegelung oder die Heilsnotwendigkeit des Apostelsamts. Und die Sache mit der Katholischen Kirche stimmt ja auch irgendwie. Was soll an der NAK also weiterhin so schlimm sein?
In Osnabrück zieht Leber nun wieder die Zügel an, bringt intern alles zurück auf Kurs, bevor größere ökumenische Hoffnungen in der Gemeinschaf gehegt werden, stellt die Konservativen zufrieden und festigt somit seine Macht und Autorität als Stammapostel, der mit geschickten Veröffentlichungen eine ökumenische Öffnung propagiert und verbreitet hat, die eigentlich gar nicht stattgefunden hat. Und diese Mäßigung und Zähmung des eigenen Sektenimages, die allen suggeriert wurde, wird der NAK sicher neue Möglichkeiten erschließen, öffentlicher und missionarischer agieren zu können.
Was für ein "bemerkenswerter" Schachzug von Leber.
Ob aufgrund der Ereignisse in Osnabrück die Tendenz der Spaltung innerhalb der NAK nun verstärkt wird, bleibt abzuwarten. Die Kritik wird jedenfalls nicht verstummen, die ökumenische Strömung wird weiter Diskussionen und Debatten führen, die der Kirchenleitung weniger gefallen werden.
Aber immerhin, und das ist der große Pluspunkt der NAK gegenüber den Zeugen Jehovas und den Mormonen, sind dort inzwischen Diskussionen und freie Meinungsäußerung weitgehend möglich, ohne dass man gleich Repressionen zu erwarten hat.
Doch um eines abschließend mal klar festzuhalten: Die NAK ist und bleibt eine Christliche Sondergemeinschaft, bzw. eine Sekte. Wie die Zeugen Jehovas oder die Mormonen. Daran hat sich auch 2006 nach den "Lehrkorrekturen" von Uster nichts geändert, das hat Wilhelm Leber in Osnabrück sehr klar bewiesen.
Weitere Links:
=> Die gesamte Osnabrücker Predigt im O-Ton
=> Netzeitung Readers Edition: Neuapostolische Kirche vor neuer Zerreißprobe
=> Deutsche NAK-Seite
=> Internationale NAK-Seite
=> Artikel des NAK-Magazins Blickpunkt
Das Logo der NAK ist der internationalen Seite entnommen.
Dort verkündete Leber einige Lehrkorrekturen, bzw. "Präzisierungen der bisherigen Glaubenslehre" der NAK.
Diese "Präzisierungen" betrafen vor allem das Heilsverständnis und die Exklusivität der NAK und das Taufverständnis. Neu am Taufverständnis ist vor allem die Anerkennung der Taufen anderer Kirchen, die im Namen des dreieinigen Gottes und mit Wasser getauft wurden. Allerdings: "Bestehen bleibt die neuapostolische Lehre von der Wiedergeburt als Kombination von Taufe und Versiegelung."
Die allgemeine Euphorie - vor allem innerhalb der progressiven und ökumeneorientierten Strömungen der NAK - war groß. Viele freuten sich über die angebliche Öffnung und es schien ein neues Zeitalter anzubrechen. Der Weg zur Freikirche erschien durchaus in sichtbarer Reichweite, die Mitgliedschaft in der ACK war kein reines Hirngespinst mehr.
Sogar der Beauftragte für Christliche Sondergemeinschaften der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Dr. Andreas Fincke, stellte "verheißungsvolle Entwicklungen" (aus der Kompakt-Info der EZW zur NAK) innerhalb der Lehre der NAK fest, warnte aber zugleich, es bestehe kein Grund zu "ökumenischer Euphorie" (aus der Vollversion dieses Materialdienst-Beitrags).
Doch am Sonntag, den 26.11.06 stellte der Stammapostel in einer innerhalb der NAK Aufsehen erregenden Predigt in einer Osnabrücker Gemeinde einige harte Kernpositionen der exklusiven Sonderlehren des NAK-Selbstverständnis unmissverständlich klar und erteilte somit allen ökumenischen Bestrebungen - mehr oder weniger - eine Absage.
Folgende Aussagen machen das sehr deutlich (dieser Predigtzusammenfassung des NAK-Magazins glaubenskultur entnommen):
Es gibt keine größere Nähe zum Herrn als hier am Altar Gottes, als in der Gemeinschaft der Gotteskinder. Damit werten wir andere gar nicht ab, da kann es auch sehr schöne Dinge geben, sehr schöne Verhältnisse, das Bemühen, wirklich auch Gott zu gefallen. Das wollen wir gar nicht in Frage stellen. Aber die größte Nähe finden wir dort, wo der Herr sich an seinem Altar offenbart.
[...]
Am Apostelamt halten wir fest. Das ist eine Einrichtung, vom Herrn geschaffen.
[...]
Vielleicht lässt man stehen, dass der Heilige Geist notwendig ist, aber wie man ihn erlangen kann, da gibt es verschiedene Meinungen, Sehensweisen. Wir wollen ganz klar erkennen: Das ist an das Apostelamt gebunden. Und die Spendung des Heiligen Geistes ist notwendig, um in die Nähe Gottes zu kommen. [...] Es gibt [...] auch heute manche Versuche, auf andere Art und Weise in den Besitz des Heiligen Geistes zu kommen. Man meint, das muss nicht unbedingt durch einen Apostel geschehen. Es kann auch auf diese oder jene Weise sein, dass man mit dem Heiligen Geist erfüllt ist. [...] Es gibt keinen Ersatzweg. Es geht nicht. Man kann nicht auf andere Weise den Heiligen Geist besitzen oder die Gabe haben, diesen Heiligen Geist zu spenden. Das ist und bleibt eine Sache des Apostelamtes. Alle diese Ordnungen bestehen auf ewig.
[...]
Wir warten unverändert darauf, dass die uns gegebene Verheißung sich erfüllt. Der Herr will wiederkommen, um uns zu sich zu nehmen. Das ist unsere Freude, das ist Inhalt unseres Glaubens, das ist unsere Hoffnung. Dabei bleiben wir.“
[...]
Sündenvergebung. Auch sie ist an das Apostelamt gebunden. Wir bleiben bei dieser Überzeugung. [...] Wenn die Apostel nicht tätig werden, dann ist auch keine Sündenvergebung da. Ich kann das nicht ändern, ihr Lieben, das ist göttliche Ordnung. Daran wollen wir uns halten und orientieren, auch wenn das für manche ein bisschen schwer zu verstehen und sich darin zu bewegen ist. Aber es ist göttliche Ordnung, man kann nichts dazutun und auch nichts wegtun.
Die Aussagen stehen prinzipiell gut für sich alleine. Viel will ich dazu auch nicht schreiben. Es ist ziemlich deutlich, dass Leber das Apostalamt stärkt und die Exklusivität der NAK-Lehre betont. Der Heilige Geist kann nur von NAK-Aposteln gespendet werden. Die Sündenvergebung ist nicht an den Glauben an Jesus, sondern an das Apostelamt gebunden. Ohne die Apostel - so die Kernaussage - gibt es kein Heil. Da erscheint die Anerkennung von Taufen anderer Kirchen wie ein schlechter Witz, kein Zugestnändnis an die Ökumene, sondern eher ein externes Ablenkungsmanöver, um intern die Zügel der Exklusivität und die Macht der Apostel zu festigen.
Zahlreiche kritische und enttäuschte Stimmen von NAK-Mitgliedern im Internet lassen vermuten wie tief nun der Schock im progressiven und ökumenenahen Flügel sitzt.
Ein Mitglied etwa berichtet vom Osnabrücker Gottesdienst:
Was [...] passierte, macht mich nur noch wütend, traurig und sprachlos. [...] Ich habe den Stammapostel so noch nicht erlebt. Fast verbissen, trotzdem mild lächelnd verkündete er mit absolutistischer, fundamentalistischer Konsequenz seine Auslegung des Textwortes. Es gibt nur schwarz und weiß. Sämtliche Usterhoffnungen in 90 Minuten zerstört. Das ist das Ergebnis!
Das Netz ist eher ein Tummelplatz dieser progressiven, ökumenezugewandten Strömung der NAK, und deshalb sind da hauptsächlich enttäuschte und zornige Kommentare zu lesen. Einige fühlen sich sehr verletzt und verschaukelt, andere zweifeln an ihrem Dienst für die NAK.
Doch die Konservativen, die klassischen Sektierer, dürften ihre Freude an den Worten Lebers haben und nun weiter an die Exklusivität der NAK glauben, entgegen allen Anzeichen der Öffnung.
Das NAK-nahe Magazin Christ im Dialog kommentiert:
Wie sehr die Erwartungshaltung vieler Gläubiger enttäuscht wurde, wird auch dadurch deutlich, dass sich Berichte von Kirchenaustritten und Amtsnieder- legungen häufen.
Das Magazin spricht sogar lediglich von einem "suggerierten Aufbruch":
Beruhte die Hoffnung auf eine Öffnung der NAK auf reiner Autosuggestion der Ökumeniker? Wohl kaum. Vielmehr ist das Verhalten des Stammapostels bzw. der Kirchenleitung selbst die Ursache der Hoffnung auf einen ökumenischen Aufbruch der NAK.
Eine klare Absage an ökumenische Bestrebungen blieb demnach bisher nicht nur aus, vielmehr suggerierten die Aussagen und Bemühungen der Kirchenleitung einen ökumenischen Aufbruch [...]
Und das obwohl die Lehränderungen einen solchen Aufbruch bei genauerem hinsehen nicht wirklich hergaben und somit ein Öffnungsprozess somit nie fundiert erfolgt ist:
Es ist [...] festzustellen, dass die von Stammapostel Leber am vergangenen Sonntag gehaltene Predigt keineswegs einen „Rückschritt“ in einem Öffnungsprozess darstellt, sondern dieser Öffnungsprozess auf dogmatischer Ebene nie begonnen hat.
Von außen betrachtet erscheint es einem nun völlig klar. Die letzten Monate der Euphorie, der angeblichen "Öffnung" wurden wirksam öffentlich propagiert, beinahe im Stil einer Imagekampagne, untermauert von Lehrkorrekturen, die bei genauerem Hinsehen eigentlich keine waren. Leber hat mit viel diplomatischem Geschick innerhalb seiner Gemeinde und einer geschickt eingesetzten Öffentlichkeitsarbeit (s. idea-Interview) die NAK in die Nähe der Freikirchen gerückt, inklusive angestrebter ACK-Mitgliedschaft. Dabei vergleicht er die Sonderlehren der NAK ganz offen (und nicht ganz zu unrecht) mit dem exklusiven Taufverständnis der Baptisten:
idea: "Aus Sicht der ACK müßten Sie dafür beispielsweise die Lehre von der Heilsnotwendigkeit des Apostelamtes aufgeben."
Leber: "Dann dürften auch die Baptisten aufgrund ihres Sakramentsverständnisses nicht Mitglied der ACK sein. Ganz zu schweigen von der Katholischen Kirche, die sich als alleinige Kirche versteht. Für eine Mitgliedschaft werden wir die Lehre vom Apostelamt auf keinen Fall aufgeben."
[aus: Materialdienst 09/06, aber auch hier nachzulesen]
Für den Leser suggerierte dieses - von vielen durchaus als "bemerkenswert" eingestufte - Interview, dass die NAK sich auf einem guten Weg in Richtung Freikirche befindet.
Und wer, der sich nicht intensiver damit beschäftigt, kann in der heutigen christlichen Gemeindevielfalt schon eine Christliche Sondergemeinschaft von einer Freikirche unterscheiden?! Die Grenzen sind ohnehin nicht selten fließend.
Zum Beitritt zu den Baptisten beötigt man die Erwachsenentaufe, zur Zugehörigkeit zur NAK eben die Versiegelung oder die Heilsnotwendigkeit des Apostelsamts. Und die Sache mit der Katholischen Kirche stimmt ja auch irgendwie. Was soll an der NAK also weiterhin so schlimm sein?
In Osnabrück zieht Leber nun wieder die Zügel an, bringt intern alles zurück auf Kurs, bevor größere ökumenische Hoffnungen in der Gemeinschaf gehegt werden, stellt die Konservativen zufrieden und festigt somit seine Macht und Autorität als Stammapostel, der mit geschickten Veröffentlichungen eine ökumenische Öffnung propagiert und verbreitet hat, die eigentlich gar nicht stattgefunden hat. Und diese Mäßigung und Zähmung des eigenen Sektenimages, die allen suggeriert wurde, wird der NAK sicher neue Möglichkeiten erschließen, öffentlicher und missionarischer agieren zu können.
Was für ein "bemerkenswerter" Schachzug von Leber.
Ob aufgrund der Ereignisse in Osnabrück die Tendenz der Spaltung innerhalb der NAK nun verstärkt wird, bleibt abzuwarten. Die Kritik wird jedenfalls nicht verstummen, die ökumenische Strömung wird weiter Diskussionen und Debatten führen, die der Kirchenleitung weniger gefallen werden.
Aber immerhin, und das ist der große Pluspunkt der NAK gegenüber den Zeugen Jehovas und den Mormonen, sind dort inzwischen Diskussionen und freie Meinungsäußerung weitgehend möglich, ohne dass man gleich Repressionen zu erwarten hat.
Doch um eines abschließend mal klar festzuhalten: Die NAK ist und bleibt eine Christliche Sondergemeinschaft, bzw. eine Sekte. Wie die Zeugen Jehovas oder die Mormonen. Daran hat sich auch 2006 nach den "Lehrkorrekturen" von Uster nichts geändert, das hat Wilhelm Leber in Osnabrück sehr klar bewiesen.
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Posted by francis
in Glaubenskultur, Weltanschauungen -
Comments (17)
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Friday, December 8. 2006 at 02:40 (Link) (Reply)
Gleichzeitig scheinen sie aber mit der Unterscheidung Apostel-Laien, der an das Apostelamt gebundenen Sündenvergebung und Spendung des Hl. Geistes (siehe auch die Geschichte von Simon Magus in der Apostelgeschichte) usw. auf dem richtigen Dampfer...
Und ich weiß auch nicht, ob die Heilsnotwendigkeit des Apostelamtes, die Exklusivität der Kirche und gleichzeitig die Anerkennung der Taufen anderer Kirchen für die NAK ein Selbstwiderspruch sind. In der katholischen Kirche ist es nämlich auch so (und war schon immer so), und das ist kein Selbstwiderspruch, weil es sich aus der Heilsnotwendigkeit der Taufe ergibt...
Friday, December 8. 2006 at 11:34 (Link) (Reply)
Es gibt ja nicht wenige Protestanten, die behaupten, die Katholische Kirche sei einfach nur eine riesige Sekte. Von dieser Auffassung halte ich nun gar nichts, weil sie irgendwie bizarr anmutet. Der Papst ist einfach noch einmal ein ganz anderes Kaliber als ein Guru irgendeiner Sekte. Und hat eine viel ältere, schwerere Bedeutung.
Trotzdem - diese Exklusivitäts- und Heilsansprüche sind natürlich für uns Evangelikale schwierig zu verdauen, egal ob Katholische Kirche oder NAK. Aber wenn sich die NAK als Freikirche profilieren will, muss sie halt diese Exklusivität aufgeben, um Teil des anerkannten Protestantismus sein zu dürfen.
Friday, December 8. 2006 at 14:50 (Link) (Reply)
Die NAK wird wohl nicht der kath. Kirche beitreten, schon wegen des Stammapostels nicht...
Friday, December 8. 2006 at 18:49 (Link) (Reply)
aber so ganz unbedeutend ist der laden doch nicht. wäre die NAK keien sekte mehr, sondern eine offizielle freikirche, wäre sie immerhin die größte nach mitgliederzahlen. ich weiß noch immer nicht, warum die mal so viel zulauf hatten, vor allem in süddeutschland. da gibts in jedem dorf ne NAK.
Wednesday, December 13. 2006 at 21:37 (Link) (Reply)
und da francis frägt : - ich weiß noch immer nicht, warum die mal so viel zulauf hatten, vor allem in süddeutschland. da gibts in jedem dorf ne NAK.
möchte ich hier einmal zwei Beispiele schreiben :
1. die Kriegsheimkehrer aus der Gefangenschaft !
hier wurden die ledigen NAK-Damen angehalten, als die Männer von der Front, Gefangenschaft zurückkamen sich um diese jungen Soldaten zu bemühen. - die jungen Männer waren durch den Krieg traumatisiert und natürlich auch " Liebeshungrig " und leicht beeinflussbar. Bevor es dann aber zur Familienbildung, zum Heiraten ging, musste der junge Mann erst versiegelt werden. Erst dann Familie und dann natürlich " viel " Nachwuchs. - Es gibt zig, zig solcher Familien.
2. Arbeitsplätze
In den NAK-Kreisen gibt es einige klein, - mittel ja grosse Unternehmer die in der " schlechten " Zeit, bevorzugt ihren Mitglieder auch Arbeitsplätze zur verfügung stellten. Deshalb konvertierten auch viele zur NAK, weil dies letzendlich auch die Voraussetzung war, bei einem NAK-Unternehmer eine Beschäftigung zu erhalten.
Zudem sind NAK-Mitglieder verstärkt im öffentlichen Dienst oder Beamtentum integriert. - und " Bruderhilfe " ist nunmal in NAK-Kreisen eine " löbliche " tugend. - ALLES, - ALLE andere/n ist nebensächlich und hat bei " Bedarf " nur sekundären Charakter.
Thursday, December 14. 2006 at 10:31 (Link) (Reply)
Friday, December 15. 2006 at 00:45 (Link) (Reply)
Gibt es außer reiner Neugierde noch nen anderen Grund, dass du dich so ausführlich mit der NAK beschäftigst?
Friday, December 15. 2006 at 13:03 (Link) (Reply)
Saturday, December 16. 2006 at 13:51 (Link) (Reply)
Ich bin Mitglied in der NAK.
Wer aufgepasst hat, müsste festgestellt haben, dass der "Osnabrück-Gottesdienst" keinen Unterschied zum "Uster-Abend" darstellt.
Es wurde schon damals in Uster, als die Lehränderungen bekanntgegeben wurden, klargestellt, dass das Apostelamt heilsnotwendig ist. Aber inwiefern andere Christen ans Heil in Christus angebunden sind, ist und bleibt ein Akt der Gnade Gottes.
Wir glauben, dass der Heilige Geist in voller Wirksamkeit bei uns wirkt, in anderen Kirchen und Gemeinden, wo der Sohn Gottes anerkannt wird, in vielfältigen Elementen der Wahrheit. So glaubt es auch die römisch-katholische Kirche, dass sie die volle Wahrheit haben, andere nur Teile.
Aus dieser Wirksamkeit des Heiligen Geistes in anderen Kirchen ergibt, dass die Taufe anerkannt werden muss, weil in der Taufe, die im Namen des dreieinigen Gottes durchgeführt wird, der Geist Gottes beteiligt ist.
Und keiner unserer Apostel ist je auf die Idee gekommen, sich selbst als Apostel zu berufen. Das hat Gott gemacht. Nämlich sind in England im 19. Jahrhundert vermehrt Weissagungen (wenn Gott durch Menschen redet, die Menschen aber in einem bewusstlosähnlichen Zustand sind und nicht wissen, dass sie reden) aufgetreten und haben zunächst auf das Apostelamt hingewiesen, das der Herr wiederaufrichten wollte und später wurden gläubige Männer als Apostel Jesu durch Weissagung berufen.
Das mit der apostolischen Sukzession ist auch so eine Sache. Das ist weder biblisch noch geschichtlich belegt, dass die ersten Apostel Nachfolger, nämlich Bischöfe, geweiht haben.
Die ersten Apostel glaubten nämlich, dass der Sohn Gottes zu ihrer Lebzeit wiederkommt und setzten daher keine Nachfolger. Bischöfe waren damals Gemeindeleiter, die die Apostel unterstützt haben, weil diese nicht immer in jeder Gemeinde präsent sein konnten.
Und diese Fakten sind biblisch belegt, die apostolische Sukzession nicht.
Dennoch, so möchte ich es unterstreichen, ist es nicht in unserem Sinn, andere gläubige Menschen, die sich ernsthaft bemühen, so wie Jesus zu handeln, auszuschließen. Vielmehr möchten wir ihnen freundlich und respektvoll begegnen und gute Beziehungen zu ihnen führen.
Das Apostelamt ist heilsnotwendig, aber wie andere Menschen das Heil empfangen, die nicht neuapostolisch waren, ist eine Angelegenheit Gottes. In seiner ewigen Gnade und Güte wird er dies recht entscheiden.
Liebe Grüße!
Sunday, December 17. 2006 at 23:10 (Link) (Reply)
Wie ich schon sagte: post-protestantisch. Ist denn die Wiederauferstehung des Apostelamtes im 19. Jh. biblisch belegt???
Historisch sind übrigens diese Dinge ganz hervorragend belegt - neben allerlei altchristlichen Schriften auch dadurch, dass es erst den Protestanten im 16. Jahrhundert wirklich eingefallen ist, die apostolische Sukzession zu leugnen...
Die öffentliche Offenbarung hat mit dem Tod des letzten Apostels Jesu aufgehört - dies wurde im Streit um die Montanisten (3. Jh.) festgelegt. Das Apostelamt kann daher nicht durch Privatoffenbarungen "wiederauferstehen" - es gab einmal Apostel
"Die ersten Apostel glaubten nämlich, dass der Sohn Gottes zu ihrer Lebzeit wiederkommt und setzten daher keine Nachfolger."
Da die ersten Apostel nur zu 13 waren (mit Paulus) mussten sie notgedrungen irgendwen in den Gemeinden mit apostolischer Vollmacht einsetzen (etwa Spendung des Hl. Geistes - siehe die Geschichte von Simon Magus!), da sie ja nicht überall gleichzeitig sein konnten. Allein schon daher mussten sie Leute mit apostolischer Vollmacht einsetzen - etwa die Herren Timotheus oder Titus... Die Leiter der Ortskirchen. Die Bischöfe. Und woher hatten diese eigentlich ihre Bestätigung? Von den Aposteln! So wie heute auch noch...
Übrigens ist biblisch sehr wohl belegt, dass sich schon in der Zeit der Entstehung der Bibel die Leute Gedanken darüber gemacht haben, dass der Herr nicht gleich wiederkommt (siehe Paulusbriefe!)... Also kam das nicht erst später.
Monday, December 18. 2006 at 15:22 (Link) (Reply)
"51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden."
Die Aussage des Paulus ist doch eigentlich nicht missverständlich. Die Christen damals lebten in der Zeit der Naherwartung, das macht die Aussage des Paulus auch deutlich, das sie davon ausgingen, dass der Sohn Gottes zu ihrer Lebzeit käme.
Es gibt einige Stellen (die zwei bekanntesten Stellen sind Apg 8 + 19), wo die Geistesspendung beschrieben wird bzw. wo davon gesprochen wird (z.B. einige Aussagen von Paulus weisen darauf hin), immer war ein Apostel dabei. Warum, um beim Beispiel von den Christen in Samaria zu bleiben, sind denn Petrus und Johannes extra von Jerusalem eingereist, wenn auch die dortigen Amtsträger den Christen den Heiligen Geist hätten spenden können?
Und wer soll die Neuaufrichtung des Apostelamtes denn sonst vorgenommen haben? Nur weil es nicht biblisch begründet ist, sind aus Zufall an verschiedenen Orten der Welt Verrückte aufgetreten, die geweissagt haben? Nein, das wäre absurd. Es war der Herr, der gesprochen hat.
Außerdem ist die Wiederaufrichtung des Apostelamtes in einigen Gleichnissen und auch in der Offenbarung des Johannes beschrieben, ist allerdings nicht so einfach, das zu erkennen. Ich habe kürzlich eine alte Schrift gefunden, wo diese Stellen aufgelistet sind, mal sehen, ob ich sie irgendwie hier reinstellen kann.
Wie sagte ein weiser Mann (war es nicht ein preußischer König?): "Jeder soll nach seiner Facon selig werden."
Tuesday, December 19. 2006 at 16:23 (Link) (Reply)
aha. das ist ja eine aussage, die man erst einmal verdauen muss. kannst du mir bitte mal erklären, wie andere christen "heil" erlangen sollen, wenn das apostelamt "heilnotwendig" ist? das ist ein widerspruch in sich. keine ahnung, wie der stammapostel sich das gedacht hat. ein beispiel dafür wäre mal toll.
auch verstehe ich nicht genau, was die "volle" wirksamkeit des Heiligen Geistes in der NAK beinhaltet. und vor allem, wie genau definiert sich dann die wirksamkeit des Heiligen Geistes außerhalb der NAK? ein nicht "voll" wirkender Heiliger Geist, was bewirkt der denn bitteschön (bzw. was bewirkt er nicht)? gibts dazu eine aussage oder eine schrift des stammapostels, die das mal definiert?
"Und keiner unserer Apostel ist je auf die Idee gekommen, sich selbst als Apostel zu berufen. Das hat Gott gemacht. Nämlich sind in England im 19. Jahrhundert vermehrt Weissagungen (wenn Gott durch Menschen redet, die Menschen aber in einem bewusstlosähnlichen Zustand sind und nicht wissen, dass sie reden) aufgetreten und haben zunächst auf das Apostelamt hingewiesen, das der Herr wiederaufrichten wollte und später wurden gläubige Männer als Apostel Jesu durch Weissagung berufen."
mit solchen nachbiblischen weissagungen ist das ja immer so eine sache. mormonen-gründer joseph smith hatte auch so eine vision. und einige andere führer von sekten und sondergemeinschaften ebenfalls. gewisses prophetisches wirken innerhalb der christenheit leugne ich ja nicht, aber wenn sich dadurch eine neue kirche und neue, die bibel ergänzende heilslehren ergeben, dann MUSS man kritisch sein. wenn sich eine gemeinschaft auf solche weissagungen beruft, dann ist das immer sehr sehr bedenkenswert.
Wednesday, December 20. 2006 at 17:32 (Link) (Reply)
Und zwar wenn er Jesus Christus bekennt als den Sohn Gottes, der für die Menschen gestorben ist, und ihn gleichzeitig in den Mittelpunkt rückt.
So war das bei "unseren" Weissagungen auch.
Außerdem lehren wir keine außerbiblischen Dinge. Vor einiger Zeit und auch kürzlich wurde immer wieder bekräftigt, dass sich eine Predigt und die Lehre an der Bibel orientieren muss, d.h. dass sie durch eine oder mehrere Aussagen in der Heiligen Schrift belegt sein muss; ansonsten wäre sie (die Lehre/Predigt) nicht haltbar.
Thursday, December 21. 2006 at 01:33 (Link) (Reply)
Und zwar wenn er Jesus Christus bekennt als den Sohn Gottes, der für die Menschen gestorben ist, und ihn gleichzeitig in den Mittelpunkt rückt."
Das verstehe ich. Das ist verbunden mit dem schönen Gefühl, unter aufrichtig gläubigen, suchenden Menschen zu sein.
Das ist Herzenssache.
Weiter oben schreibst du: "Wir glauben, dass der Heilige Geist in voller Wirksamkeit bei uns wirkt, in anderen Kirchen und Gemeinden, wo der Sohn Gottes anerkannt wird, in vielfältigen Elementen der Wahrheit. So glaubt es auch die römisch-katholische Kirche, dass sie die volle Wahrheit haben, andere nur Teile."
Das ist Dogma.
Wenn du in einem ökumenischen Gottesdienst bist, was ist da im Vordergrund: die verbindende Herzensangelegenheit oder das trennende Dogma?
Viele Mitglieder meiner Familie sind in der Neuapostolischen Kirche aktiv. Insbesondere den älteren wurde über Jahrzehnte eine religiöse Identität geformt, die auf das trennende Element setze, auf die Abgrenzung. Die Formulierung "Elemente der Wahrheit" würde ich angesichts der jüngsten Entwicklung eher auf die Neuapostolische Kirche anwenden. Denn viele identitätsstiftende "Elemente der Wahrheit" in der Neuapostolischen Kirche wurden schlichtweg fallengelassen - ohne dass die aufgefangen wurden, die sich daran klammerten, weil sie es von ihren Seelsorgen nie anders gelernt hatten.
War es Gottes weise Führung, in all den Jahrzehnten innerhalb der Neuapostolischen Kirche auf das Element der Exklusivität zu setzen? Ist es Gottes weise Führung, nun ein wenig davon abzurücken? In meiner Familie beobachte ich die durch und durch verständliche menschliche Reaktion auf diese Änderungen: Jeder strickt sich seine Geschichte. Es gibt in der Neuapostolischen Kirche vermutlich ebenso viele Versionen von "Uster" wie es Gläubige gibt.
Abschließend: Ich fände nur eine einzige Position der Neuapostolischen Kirche glaubwürdig, obwohl ich sie nicht befürworten würde: Das Element der Exklusivität aufrecht zu erhalten, die früher gepredigte Absage von "der Welt" zu stärken, einen enormen Mitgliederschwund in Kauf zu nehmen, aber zu wissen: der Rest, der bleibt, hat ein festes Profil, eine feste Position.
Was zur Zeit in dieser Kirche passiert ist ein wirres Klammern an gedankliches Treibholz und aneinander im Ozean der Interpretationen, während sich alle versichern, sie seien eine feste Insel.
Thursday, December 21. 2006 at 08:41 (Link) (Reply)
Und zwar wenn er Jesus Christus bekennt als den Sohn Gottes, der für die Menschen gestorben ist, und ihn gleichzeitig in den Mittelpunkt rückt."
Stammapostel Dr. Wilhelm Leber sagt nun selbst im Interview mit ideaSpectrum:
"...Ich gebe aber zu, daß wir früher das Apostelamt
zu sehr in den Mittelpunkt gerückt haben, um uns von anderen
Kirchen abzugrenzen. Vielleicht ist Jesus Christus bei uns dadurch
manchmal in die Ecke gedrängt worden..."
Leber behauptet zwar anschließend, dass das heute nicht mehr so sei, meiner Meinung nach geht aus den obigen Predigt-Auszügen jedoch deutlich hervor, dass dem durchaus noch so ist.
Ich persönlich kann nicht umhin, daraus zu folgern: Sowohl früher als auch heute mangelt es der NAK am Geist Gottes!
Und wer die NAK so gut kennt wie ich und von der "NAK-Inquisition" einmal in die Mangel genommen wurde, weil er andere Christen genauso offen aufgenommen hat, wie diese ihn, der wird die Tendenz des obigen Artikels und meine Auffassung bestätigen: Die NAK ist und bleibt eine Sekte.
Saturday, December 23. 2006 at 21:53 (Link) (Reply)
Die Geschichte mit der Naherwartung wäre nur dann relevant, wenn Du beweisen könntest, dass die Apostel deswegen keine Bevollmächtigten (Bischöfe) in den Gemeinden ernannten. Da die Bibel dem aber eher widerspricht (siehe z. B. die Timotheusbriefe), ist die Naherwartung für die Thematik irrelevant (zumal das Zitat aus 1 Kor immer noch gilt - wenn wir das "wir" nicht nur auf Paulus' Zeitgenossen beziehen).
"Heilsnotwendig": Ich kann nicht für die NAK sprechen, nur für die kath. Kirche, aber auch wir sagen, dass die Mitgliedschaft in der Kirche heilsnotwendig ist, genauso wie die Taufe (extra Ecclesiam nulla salus - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil). Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als das alles Heil durch Christus kommt (Kirche=Leib Christi, Taufe=Hineinnahme in die Gemeinschaft mit Christus). Da die kath. Kirche an eine sichtbare, und nicht an eine unsichtbare Kirche glaubt, ergibt es sich, dass die Mitgliedschaft in der kath. Kirche (=sichtbare Kirche Christi) heilsnotwendig ist. Das gilt allerdings nur für die, die davon wissen und denen es möglich ist, daran zu glauben. Der dreifaltige Gott kann nämlich auch Menschen erretten, die Nicht-Christen bzw. Nicht-Katholiken (nett von mir, was?
Soweit die Lehre der kath. Kirche. Ich nehme an, die NAK lehrt was Ähnliches - nur kann sie sich halt nur bis zum 19. Jh. zurückführen, nicht bis zum Pfingsttag....
Aber genug mit dem Unökumenisch-Sein nun - frohe Weihnachten Euch allen!
Friday, December 29. 2006 at 14:17 (Link) (Reply)
"Und zwar wenn er Jesus Christus bekennt als den Sohn Gottes, der für die Menschen gestorben ist, und ihn gleichzeitig in den Mittelpunkt rückt.
So war das bei "unseren" Weissagungen auch."
prophzeiungen sind ein irre schwieriges thema. nicht jeder der Jesus bekennt, meint es auch biblisch. das zu prüfen, ist die sache von theologischen autoritäten.
@spect:
"Abschließend: Ich fände nur eine einzige Position der Neuapostolischen Kirche glaubwürdig, obwohl ich sie nicht befürworten würde: Das Element der Exklusivität aufrecht zu erhalten, die früher gepredigte Absage von "der Welt" zu stärken, einen enormen Mitgliederschwund in Kauf zu nehmen, aber zu wissen: der Rest, der bleibt, hat ein festes Profil, eine feste Position."
getreu dem motto: wenn schon sekte, dann richtig oder wie?
die adventisten haben das genau umgekehrt gemacht. die exklusivität aufgegeben und sich der ökumene zugewandt. alle die diese veränderungen nicht mittragen konnten oder wollten, haben sich nun in adventistischen splittergruppen organisiert, die somit noch sekten sind.
@kirchemusiker:
"Und wer die NAK so gut kennt wie ich und von der "NAK-Inquisition" einmal in die Mangel genommen wurde, weil er andere Christen genauso offen aufgenommen hat"
davon hab ich nun schon öfter gelesen, von diesem üblen verhalten der NAK vor allem aussteigern und kritikern gegenüber. gibt es das heute noch oder ist ein relikt von früher? würde mich sehr interessieren.
@petra:
"Da die kath. Kirche an eine sichtbare, und nicht an eine unsichtbare Kirche glaubt, ergibt es sich, dass die Mitgliedschaft in der kath. Kirche (=sichtbare Kirche Christi) heilsnotwendig ist."
deswegen reden immer noch viele mit-evangelikale von der kath. kirche als größte aller sekten. aber es bringt ja nicht viel, wenn wir uns alle gegenseitig als sekten beschimpfen. konzentrieren wir uns lieber auf die richtigen wie die NAK.
"Der dreifaltige Gott kann nämlich auch Menschen erretten, die Nicht-Christen bzw. Nicht-Katholiken (nett von mir, was?
na, immerhin. das ist sehr nett, ja.